Fahrerfluch †
von Burkhard Hedtmann
 
 
Ich fahre nichtsahnend durch den Wald des Lebens, und plötzlich bricht die Liebe aus dem Dickicht und läuft mir voll in die Karre, und ich denke noch: Scheiße! – und im gleichen Moment kracht´s auch schon, und ich brauche eigentlich gar nicht mehr auf die Bremse zu latschen. Ist sowieso zu spät. – Für einen Augenblick ist der Tag stehengeblieben. Alles ist still. Nur aus weiter Ferne höre ich (es könnte Louis Armstrong sein) "Oh, what a wonderful world", mir schlottern die Knie – und ich verpisse mich durch die Hintertür und rufe ein Taxi, und wir fahren durch die Nacht von Köln, die seufzend den Kopf schüttelt, und als der Wagen hält, sagt der Fahrer: Zwölf-zwanzig. – und ich gebe ihm einen Fünfziger: Stimmt so. – und als ich in sein ungläubiges Gesicht sehe, da habe ich wenigstens Gewißheit: ich bin ein Gedichte schreibender Idiot!